20 Jahre PDF/X – Von PDF/X-1a bis zu PDF/X-6

Der aktuelle Standard PDF/X-6 wurde entwickelt, um künftige und bereits heute komplexe PDF-Print-Publishing-Workflows von der Inhaltserstellung bis zu Rendering und Finishing zuverlässig zu unterstützen.
Die erste ISO-PDF/X-Norm ist inzwischen bereits 20 Jahre alt. In diesem zweiten Teil geht es um die Unterformate von PDF/X, die über die Jahre entstanden sind. Zum ersten Teil ...
Entwicklungen nach PDF/X-1a
Seit 2001 wurden nach und nach neue PDF/X-Versionen entwickelt. Neben PDF/X-1a ist vor allem PDF/X-4:2008 (ISO 15930-7:2008) sowie die Aktualisierung PDF/X-4:2010 (ISO 15930-7:2010) hervorzuheben. Diese Variante gilt weiterhin als besonders geeignet für Inhalte mit Transparenzeffekten.
Welche Vorteile und Besonderheiten bringen die einzelnen Versionen mit?
Über 20 Jahre hinweg wurden mehrere Varianten mit unterschiedlichen Schwerpunkten entwickelt. Die Normen sind jeweils mit Jahresangabe gekennzeichnet und über eigene ISO-Dokumente spezifiziert.
- Unterstützung für ICC-Farbmanagement wurde sukzessive ausgebaut - nicht nur für Output Intents, sondern auch für Objekte innerhalb der PDF-Datei.
- Mit Adobe PDF 1.4 kam robuste Unterstützung für Live-Transparenz (inklusive Transparenzgruppen und Überblendungsmodi).
- Mit Adobe PDF 1.5 kamen u. a. JPEG-2000-Komprimierung, optionale Inhaltsgruppen sowie komprimierte Objektströme hinzu.
- PDF/X-4:2008 und PDF/X-4:2010 basieren auf PDF 1.6 und kombinieren Farbunterstützung mit erweiterten Funktionen wie begrenzter Ebenenunterstützung und zusätzlicher Komprimierung.
- PDF/X-5:2008 und PDF/X-5:2010 wurden als Spezialvarianten auf Basis von PDF/X-4 definiert, haben in der Praxis jedoch nur begrenzte Verbreitung gefunden.
- PDF/X-6:2020 (ISO 15930-9:2020) erweitert PDF/X-4 um zahlreiche PDF-2.0-Funktionen und ermöglicht vollständigen Blind Exchange.
Mehr Informationen: https://www.pdfa.org/twenty-years-of-pdf-x-part-iii/
Was ist mit PDF/X-2?
PDF/X-2:2003 (ISO 15930-5:2003) wurde kurz nach Veröffentlichung wieder zurückgezogen. Es sind keine relevanten Anwendungen bekannt, die PDF/X-2 unterstützen.
Seit 2020: Mit PDF 2.0 gibt es PDF/X-6
Basierend auf ISO 32000-2:2020 (PDF 2.0) erweitert PDF/X-6 die grafischen Möglichkeiten von PDF/X-4 deutlich, u. a. um Schwarzpunktkompensation, seitenbezogene Output Intents (optional mit CxF/X-4-Spektraldaten) und Document-Part-Metadaten.
Auch Anmerkungen im sichtbaren Seitenbereich, Nicht-XFA-Formulare, digitale Signaturen und bestimmte Aktionen sind nun - unter definierten Einschränkungen - erlaubt.
Die PDF/X-6-Konformitätsstufe unterstützt vollständigen Blind Exchange. Sorgfältig erzeugte PDF/X-6-Dateien können unter bestimmten Bedingungen gleichzeitig als PDF/A-4-konform für Archivierung gekennzeichnet werden. PDF/X-6 und PDF/A-4 wurden bewusst parallel entwickelt, um diese Kompatibilität zu fördern.
Derzeit unterstützen große Grafikapplikationen PDF/X-6 noch nicht flächendeckend. Bis entsprechende Unterstützung breit verfügbar ist, wird häufig weiterhin PDF/X-4 empfohlen.
Mehr dazu: https://www.proof.de/pdf-2-0-und-pdf-x-6-die-neuen-pdf-standards/
Heutige Druckaufträge und Anforderungen
Heutige Druckaufträge umfassen zunehmend Verpackungen, Beschilderungen (inklusive Großformat und Fahrzeugvollverklebung), Kunstanwendungen, Textilien, Wandverkleidungen und personalisierte Marketingkampagnen. Inhalte sind meist deutlich komplexer als noch vor 20 Jahren.
Durch digitale Fotografie und leistungsfähige Design-Tools gewinnen Farbe und anspruchsvolle Transparenzeffekte weiter an Bedeutung - inklusive Farbräumen jenseits klassischer CMYK-Anforderungen.
Ein „Druckauftrag" umfasst heute oft mehrere Seitentypen, Substrate und Produktionsschritte. Beispiel: Ein Buch kann Umschlag, einfarbige Textseiten, Ausklappseiten und farbige Seiten auf unterschiedlichem Papier enthalten. Ähnlich beim variablen Datendruck, bei dem Seiten, Karten und Umschläge für personalisierte Mailings kombiniert werden.
Diese Komplexität erfordert standardisierte, robuste Austauschformate. ICC-Farbmanagement ist dabei längst keine Option mehr, sondern ein Muss. Deshalb wurden die PDF/X-Standards kontinuierlich weiterentwickelt und an moderne Produktionsrealitäten angepasst.
Mehr zu den Unterformaten und technischen Details: https://www.pdfa.org/