Zwanzig Jahre PDF/X

Von PostScript bis zu PDF/X – die Entwicklung der PDF-Standards und ihr Einfluss auf die Druckindustrie

Was hat PDF mit grafischer Kunst und Druckindustrie zu tun?

Das 20-jährige Jubiläum der ersten ISO PDF/X-Norm zu Beginn von 2021 kann man zum Anlass nehmen sich die Entwicklung von PDF/X näher anzusehen. Wie sah der Weg bis zum heutigen PDF/X-Standard aus und was hat auch die Entwicklung anderer PDF-basierter Standards entsprechend beeinflusst?

Start von Adobe PostScript 1984 – Von PostScript zu PDF/X

Die Entwicklung von PDF/X begann mit der Ankündigung von Adobe PostScript im Jahr 1984. Hier bestand natürlich eine enge Verbindung zur Entwicklung der damaligen Drucker und die Veränderung in der Druckindustrie die damals stattfanden. Das innovative und einmalige an PostScript war zu diesem Zeitpunkt, dass es in seiner reinsten Form weder hersteller- noch gerätespezifisch war und eine vollständige Palette integrierter, hochentwickelter Grafikoperatoren mitbrachte. Dateien für Grafiken und Druckseiten wurden im PostScript Format angelegt, um es möglich zu machen, dass diese mit den verschiedenen Ausgabegeräten, also Druckern zuverlässig und verlustfrei gedruckt werden konnten.

Obwohl PostScript als Seitenbeschreibungssprache gilt, ist sie auch eine stapelbasierte, vollständig interpretierende Programmiersprache mit eingebauten mathematischen Funktionen. Als Art Allzweckprogrammiersprache können beispielsweise Buchhaltungsanwendungen und Spiele in PostScript geschrieben werden.

PostScript bot also vor allen Dingen ein großes Maß an Flexibilität, war dabei aber nicht unproblematisch. PostScript war beispielsweise nicht seitenunabhängig, es gab Schwierigkeiten, wenn man einzelne Seiten neu drucken wollte o.ä. Hinzu kam, dass PostScript in der Praxis häufig dann doch an bestimmte Geräte gebunden war.

Die 90er Jahre: Ausarbeitung und Verbesserung von PostScript

John Warnock gilt zusammen mit dem April 2021 verstorbenen Charles Geschke als Gründer von Adobe. Er erkannte die Stärken von PostScript für das Publishing und arbeitete an seiner Vision des Interchange PostScript (IPS), indem er den hohen Overhead und das fehlende deterministische Verhalten einer Allzweckprogrammiersprache entfernte und volle Seitenunabhängigkeit hinzufügte. Die Weiterentwicklungen auf diesem Gebiet führten 1993 schließlich die Geburtsstunde vom Portable Document Format (PDF) und die erste Version von Acrobat hervorgingen.

Gesucht wurde damals eine brauchbare Alternative zu PostScript, um nicht nur für die Bildschirmdarstellung von Grafiken, sondern auch für die Druckausgabe in Betracht zu kommen. Die erste PDF-Version (PDF-Version 1.2 (Acrobat 3.0, Ende 1996) entwickelte sich aus diesem Bedarf heraus. PDF brachte im Gegensatz zu PostScript einige Vorteile mit. Dazu gehörte Seitenunabhängigkeit, Geräteunabhängigkeit einschließlich externer Druckauftragssteuerung. Es ist zudem geeignet für die langfristige Archivierung von Inhalten sowie für Korrekturen und Bearbeitungen.

PDF/X Vorteile in Punkto Funktionalität, Zuverlässigkeit und Leistung

Somit wurde auch die Druckindustrie auf PDF aufmerksam und der Standard PDF/X wurde entwickelt, da das PDF-Format für das Print-Publishing eine Herausforderung darstellte, vor allen Dingen dann, wenn die PDF-Spezifikation an Umfang und Komplexität zunimmt.

Alle Beteiligten suchten nach einer Möglichkeit zum „blinden Austausch“ von PDF-Dateien für die Druckausgabe. Es sollte jederzeit gewährleistet sein, dass alle Dateien ohne Fehler und Nachbereitungen beim Empfänger gedruckt werden konnten. Die erste PDF/X-1-Norm wurde also entwickelt und 1999 veröffentlicht. X steht hier für „blind Exchange“. PDF/X wurde dann als mehrteilige ISO-Norm 15930 weiterentwickelt.

Das Ziel der verschiedenen Teile der ISO 15930 war es, den erforderlichen Grad an Flexibilität zu erhalten und gleichzeitig Unsicherheiten zu minimieren. Von den beiden Konformitätsstufen der ISO 15930-1:2001 war PDF/X-1a aufgrund seiner relativen Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit besonders erfolgreich und beliebt. Und das sowohl bei Print-Publisher als auch bei Verlegern und Druckdienstleistern, da PDF/X-1a als sorgfältig ausgearbeitete PDF-Untergruppe besonders zuverlässig war und den kompletten Publishing-Workflow erheblich verbessern konnte.

Die PDF/X-Normen wurden kontinuierlich weiterentwickelt nachdem mit PDF/X-1a eine starke Akzeptanz erfahren hatte und die Veränderungen, die es auch in der Welt der Druckindustrie gab, mitgedachte werden mussten. Der Bedarf an neueren, fortschrittlicheren PDF/X-Standards war da.

Weiterentwicklungen nach PDF/X-1a

Mit Adobe PDF 1.4 wurde schließlich eine solide Unterstützung für die Transparenz von Live-Objekten eingeführt, was eine wichtige Forderung der Kreativbranche war. Hinzu kam mit Adobe PDF 1.5 die Möglichkeit der JPEG 2000-Bildkomprimierung und optionale Inhaltsgruppen (mit Unterstützung von Ebenen und anderen erweiterten Funktionen) sowie Object Streams und deren Komprimierung. Mit der ISO PDF 2.0-Spezifikation kam dann eine offizielle Unterstützung für die Schwarzpunktkompensation hinzu. Mehr dazu finden Sie in der sehr empfehlenswerten, vierteiligen Artikelreihe der PDF Association, welche die 20jährige Entwicklung von PDF/X detailliert beschreibt:

https://www.pdfa.org/twenty-years-of-pdf-x/

Zukunft der Drucktechnik

Durch die Digitalisierung mag der Eindruck entstanden sein, dass die Druckbranche in der Zukunft keine große Rolle mehr spielen wird. Dabei handelt es sich aber um einen Trugschluss. Sicherlich hat sich die Art des Druckens und die Dinge, die gedruckt werden, massiv verändert. Die moderne Art des Druckens im Vergleich zum Druck vor 20 Jahren ist technisch viel anspruchsvoller und bedient andere Zwecke. Trotzdem wird nach wie vor Drucktechnik benötigt und die Druckbranche entwickelt sich weiter.

Im dritten Teil der Artikelreihe über PDF/X auf pdfa.org bringt Autor Dov Isaacs mehrere konkrete Beispiele wie heutige Druckaufträge aussehen und was das für PDF/X bedeutet:

https://www.pdfa.org/twenty-years-of-pdf-x-part-iii/

20 Jahre PDF/X – Wichtige Erfahrungswerte – Was kann bei der Umsetzung der Standardisierung verbessert werden?

Sieg und Niederlage liegen manchmal nah beieinander. Es gab einige wichtige Erfolge innerhalb der 20jährigen Geschichte von PDF/X. Zugleich gab es aber auch Probleme in der Industrie und im Prozess der Entwicklung von Normen.

Einerseits hat sich die Zuverlässigkeit des End-to-End-Publikationsprozesses durch die Verwendung der PDF/X-Normen erheblich verbessert, insbesondere wenn die für den Inhalt und die Produktionsanforderungen am besten geeignete PDF/X-Version verwendet wird. Bei Inhalten mit Farb- und/oder Transparenzeffekten beispielsweise führt die Verwendung eines PDF/X-4-basierten Workflows im Allgemeinen zu zuverlässigeren und konsistenteren Ergebnissen als ein PDF/X-1a-basierter Workflow. Es zeigt sich, dass eine sorgfältige Definition und Verwendung gut definierter Untergruppen der PDF-Spezifikation viele Arbeitsabläufe stark optimieren kann. Ein Beispiel dafür ist PDF/A für die Archivierung. Andererseits wurden PDF/X-Standards leider nur schleppend angenommen, worunter letztendlich die Druckindustrie zu leiden hat.

Viele Faktoren können bei der langsamen Akzeptanz von PDF/X-4 bzw. PDF/X-6 eine Rolle spielen:

Es ist vorgekommen, dass die von den Entwicklern der Standards vorgestellten Anwendungsfällen in der Realität wenig mit den echten Kundenbedürfnissen zu tun hatten. Hinzu kommt, dass wie in vielen anderen Branchen auch gerne an veralteten Prozessen festgehalten wird oder es an guten Dokumentationen sowie Weiterbildung mangelt. Feststeht auch, dass Druckdienstleister und Druckverbände sollten sich aktiv einbringen müssen, damit neue Standards stärker angenommen werden.

Wichtig ist, dass man die beiden Sichtweisen und Erfahrungswerte zusammenbringen muss. Es sollten sowohl Technologieexperten aus der Branche, welche die Standards entwickeln, als auch die Hersteller bzw. der Produktmanager der Hersteller an einem Tisch sitzen. Denn das wichtigste ist ja, dass die Normen schlussendlich auch in Produkte implementiert werden. Hinzukommt: Auch die Anbieter und Druckverbände sollten bei den technischen Hintergründen geschult sein.

Mehr zu den PDF/X Unterformaten finden Sie in Teil 2:

Mehr zu den Entwicklungen rund um PDF/X:

https://www.webpdf.de/blog/pdf-x-6-iso-norm-fuer-digitale-druckvorlagen/

https://www.webpdf.de/blog/pdf-technik-transparenz-beim-pdf-format/